• 300 Jahre Nachhaltigkeit

    Posted on März 26, 2013 by in Alle Artikel, Gedanken

     

    Ein Online-Artikel vom Deutschlandfunk berichtet über den 300. Jahrestag des Nachhaltigkeits-Begriffes, wie dieser zu seiner Prägung kam und welche Bedeutung ihm aus heutiger Sicht zugeschrieben wird.

    Als Oberberghauptmann beobachtete der Sachse Carl von Carlowitz wie nach und nach die Bäume schwanden und mit ihnen das Feuerholz für die Bergwerke und Schmelzhütten. Im Frühjahr 1713 veröffentliche er dann sein Buch „Sylvicultura Oeconomica“, in welchem er eine “continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung” der Wälder forderte. Einfacher ausgedrückt: Es darf nicht mehr Holz eingeschlagen werden, als dass es nachwachsen kann.

    Um dieses Ziel zu erreichen rüttelt von Carlowitz auch heute noch die Leser seines Buches wach, indem er ihnen die Nachlässigkeit der Menschen gegenüber der Natur aufzeigt, während er gleichzeitig dazu aufruft Bäume zu pflanzen, zu säen und handeln.

    Für den Umwelthistoriker Joachim Hamberger, der die “Sylvicultura Oeconomica” gerade neu veröffentlicht hat, steht fest, dass dieses Buch mehr als nur eine Revolution für die Forstwirtschaft ist. Die Maxime des Buches ist der Erhalt des Waldes, weiß auch Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins. Allerdings, von diesem Kern ausgehend, gibt es inzwischen eine Erweiterung auf viele andere Fragen von Bedürfnissen und Ansprüchen, die ein Wald zu erfüllen hat, zum Beispiel Erholungsleistungen oder Schutzleistungen für Natur, Wasser oder Klima. Für Förster geht es darum den Wald jetzt zum Vorteil der Gesellschaft zu nutzen, aber auf so eine Art und Weise, dass auch in vielen Jahren die Menschen mindestens den gleichen Nutzen davon haben können, erklärt Wilke.

    Naturschützer bemängeln jedoch, dass ein Wald nicht nur Wirtschaftsgut sei und auch nicht so betrachtet werden dürfe. Für sie ist Wildnis und Artenschutz das wichtigste Gut, die wirtschaftlichen Interessen der Förster fallen in den Hintergrund. Für manch einen Unternehmer gehen dagegen selbst freiwillige Nachhaltigkeits-Verpflichtungen zu weit, weil sie den Profit gefährden und trotz des Nachhaltigkeitsbooms Anfang der 1990er-Jahre tut sich auch die Politik bis heute noch schwer mit dem Begriff, erzählt Klaus Töpfer, Chef des UN-Umweltprogramms.

    Beim Thema Nachhaltigkeit wird meist davon ausgegangen, dass die wirtschaftliche Entwicklung ausgebremst wird. Töpfer, der acht Jahre in Nairobi gearbeitet, weiß, dass Armut immer Ressourcen-, Energiearmut ist. „Da haben nur zehn Prozent der Menschen Zugang zu Energie, also kommt man wirtschaftlich nicht voran. Auch diese Menschen wollen eine Perspektive für sich und ihre Kinder haben.“

    Und in diesem Zusammenhang steht Wirtschaftswachstum an erster Stelle; das ist wohl mit ein Grund dafür, dass die Vereinten Nationen bei der Definition globaler Nachhaltigkeitsziele kaum vorankommen. Dennoch oder gerade deswegen ist dreihundert Jahre nach Veröffentlichung der „Sylvicultura Oeconomica“ von Carlowitz‘ Forderung zum Aufwachen und Handeln aktuell wie nie zuvor.

    Vollständiger Artikel: hier