• Liegezeiten im Hamburger Hafen bald umweltfreundlicher

    Posted on September 24, 2013 by in Gedanken, Nachrichten

     

    Ein Online-Artikel auf cruisetricks.de berichtet, dass bis 2015 alle Kreuzfahrtschiffe im Hamburger Hafen über Landstromanlage versorgt werden können und somit der Betrieb der Generatoren während der Liegezeiten überflüssig werde.

    Seit langer Zeit ist die Versorgung von Kreuzfahrtschiffen mit Landstrom im Hamburger Hafen im Gespräch, jetzt hat die Stadt Entscheidungen getroffen: Zum einen sollen stationäre Landstromanlagen am Kreuzfahrt-Terminal in Hamburg Altona errichtet werden. Zum anderen wird die Reederei AIDA Cruises bei ihren Plänen für schwimmende Blockheizkraftwerke unterstützt und die nötige Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Kreuzfahrtschiffe verbringen einen großen Teil ihrer Betriebszeit in Häfen (AIDA bspw. 40%). Ziel ist es, die Energieversorgung von Kreufahrtschiffen während ihrer Liegezeiten umweltfreundlicher und effizienter zu gestalten.

    Für die stationäre Landversorgung wird am Terminal Altona eine Leitung an das örtliche Stromnetz angeschlossen, Energie entnommen und umgewandelt. Für die Umwandlung soll unweit des Terminalgebäudes eine 290 qm große, zweistöckige Stromumformungsstation gebaut und zum Schutz vor Hochwasser aufgeständert werden. Hinzu kommt eine Übergabestation, an der das Landstromkabel auf die Schiffe führt. Das Bauvorhaben wird vom Bund und von der EU gefördert. Die enstehenden Mehrkosten durch die Bedienung der stationären Landstromanlage sollen durch die Nutzungsgebühren der Kreuzfahrtschiffe gedeckt werden.

    Bei 100-prozentiger Versorgung mit stationärem Landstrom fallen die Emissionen bei den Kraftwerken und nicht im Hafen an. Dadurch wird der Ausstoß von Kohlendioxid während der Liegezeiten im Vergleich zur Eigenstromversorgung durch Generatoren um jährlich mehr als 1000 Tonnen sinken. Ein weiterer Schritt wäre die Verwendung von Ökostrom, dann reduzieren sich die Emissionen sogar um 3354 Tonnen pro Jahr.

    Die schwimmenden Blockheizkraftwerke sind ein Projekt der Reederei AIDA Cruises in Zusammenarbeit mit Becker Marine Systeme im Hamburger Hafen. Geplant sind schwimmende Blockheizkraftwerke, LNG Hybrid Barges genannt, die mit Flüssiggas als Brennstoff betrieben werden. Die Barges sollen wasserseitig an die Kreuzfahrtschiffe angedockt werden und die Schiffe während ihrer Liegezeit mit Strom für den nötigen Hotelbetrieb versorgen, sodass diese ihre Generatoren abschalten können. Durch Barges werden die Emissionen massiv gesenkt:

    Keine Schwefeloxide
    Keine Rußpartikel
    80% weniger Stickoxide
    30% weniger Kohlendioxid

    Die verbleibenden Abgase werden in das Hafenwasser abgeführt und nicht in die Luft geblasen. Auch die Reederei TUI Cruises hat für ein ähnliches Vorhaben schon mit der Hamburger Enckelmann AG gesprochen, einem Un­ter­neh­men für die elek­tri­sche Au­to­ma­ti­on von Ma­schi­nen und An­la­gen. Die Inbetriebnahme solcher mobilen Kraftwerke ist jedoch nicht ganz einfach:

    Zunächst wird die Versorgung mit Landstrom teurer werden als die Energierzeugung mit Marine Diesel. Um Mehrkosten auszugleichen, plant die Reederei AIDA Cruises, den Strom im Winter an den Hamburger Energieversorger Eon Hanse Wärme zu verkaufen.

    Auch der Bau der Barges ist teuer: Die Reedereien TUI Cruises und Aida Cruises sprechen von Kosten in Höhe von 10-15 Millionen Euro.

    Ein weiteres Problem ist die Versorgung der Barges mit Flüssiggas, denn dies ist in und um Hamburg nicht erhältlich. Daher ist derzeit der Bezug von Flüssiggas aus Brunsbüttel im Gespräch. Das Flüssiggas soll in containergroßen Gastanks per LKW oder Binnenschiff zu den Barges transportiert werden.

    Bei dem Betrieb von mobilen Kraftwerken entweicht Methan, ein Treibhausgas, das fast 30-mal klimaschädlicher wirkt als CO2.

    Gegenüber dem stationären Landstrom haben die Barges jedoch einige Vorteile:

    Sie sind mobil und flexibel einsetzbar, sodass keine festen Einrichtungen am Kreuzfahrtterminal nötig sind. Nur wenige Kreuzfahrtschiffe bringen bisher die technischen Voraussetzungen für eine Versorgung mit stationärem Landstrom mit. Den meisten Schiffen fehlt ein Verbindungsstück, dass den Landstrom mit dem Stromkreislauf an Bord verbindet und eine Versorgung des Schiffs mit stationärem Landstrom ermöglicht. Darüber hinaus gibt es noch keiner einheitliche Stecker-Norm, sodass bei stationärem Landstrom Probleme durch unterschiedliche Stromübergabe-Schnittstellen entstehen.

    Darüber hinaus muss der Strom der Barges im Gegensatz zu denen der stationären Landversorgung nicht für eine Schiffseignung umgewandelt werden, sondern wird sofort mit der für die Schiffe nötigen Spannung produziert.

    Unter Umständen sind die Barges umweltfreundlicher als der stationäre Landstrom. Wenn der stationäre Landstrom in Kohlekraftwerken gewonnen wird, ist die Energieerzeugung umweltschädlicher als der laufende Betrieb von Kreuzfahrtschiffen mit Schiffsdiesel.

    Ein großer Nachteil, den stationäre Landstromanlagen mit sich bringen, entfällt jedoch in Hamburg: Im Hinblick auf unterschiedliche Schiffgrößen ist der stationäre Landstrom normalerweise unflexibel, da eine Anlage immer auf eine bestimmte Schiffsgröße angepasst ist. Die Landstromanlage in Hamburg ist weltweit die erste Anlage, die Strom in unterschiedlicher Spannung anbieten kann. So können nicht nur große Kreuzfahrtschiffe, sondern auch kleinere Schiffe mit der Energie von Land versorgt werden.

    Der Hamburger Senat reagiert mit seinen Beschlüssen auf den Druck von außen: Die Forderungen nach sauberen Lösungen für Schiffsabgase im Hamburger Hafen werden immer lauter. Der Energieverbrauch liegender Kreuzfahrtschiffe gleicht dem einer Kleinstadt. Hinzu kommt, dass die Schiffe Dieselkraftstoff verbrennen, dessen Abgase ungefiltert in die Luft entweichen. Anfang 2013 veröffentlichte der NABU Erkenntnisse über die gesundheitsschädliche Wirkung von Schiffsabgasen. Besonders die Bewohner der Stadt Hamburg, deren Hafen das Herz des Stadtzentrums ist, sind betroffen. An den Messstationen in Hamburg werden regelmäßig die Grenzwerte für Luftverschmutzung überschritten. Schuld daran ist laut Experten der wachsende Anlauf der Kreuzfahrtschifffahrt auf den Hamburger Hafen.

    Vollständiger Artikel: hier
    Weitere Informationen: cruisetricks.de, cruisestricks.de, abendblatt.de, abendblatt.de