• Langzeitschäden der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko werden langsam deutlich

    Posted on Oktober 7, 2013 by in Gedanken, Nachrichten, Studien

     

    Ein Online-Artikel der Daily Mail berichtet über die Langzeitauswirkungen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010, die durch eine Explosion auf der Ölplattform Deepwater Horizon der Firma BP ausgelöst wurde.

    Laut einer neusten Studien hat die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ca. 155,4 km² Meeresboden zerstört. Der schlimmste Schaden ist dabei im Umkreis von ca. 3,2 km um den Austrittsorts des Öls enstanden. Es wird mehrere Jahrzehnte dauern, bis diese Flächen sich vollständig von den Schäden erholt haben.

    Für die Erfassung des Schadensausmaßes wurden 2010 insgesamt 68 Proben zwischen 0,5 und 125,5 km Entfernung vom Austrittsort entnommen. Zum einen wurde bei der Probeentnahme der Meeresboden auf Toxine untersucht, zum anderen wurden auch die meeresbodennahen Organismen (Benthos) auf Schadstoffbelastungen getestet. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass durch die Ölkatastrophe Barium, polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoff  und Erdölkohlenwasserstoff in den Meeresboden eingedrungen sind. Alle drei Chemikalien lassen sich auf das ausgetretene Öl zurückführen. Durch die Konzentration der Chemikalien konnten die Wissenschaftler Rückschlüsse auf das Ausmaß des Schadens ziehen und diesen von Schäden durch natürlich aussickerndes Öl am Meeresboden differenzieren.

    Darüber hinaus haben die Untersuchungen ergeben, dass Bereiche mit hoher Biodiversität am meisten geschädigt wurden. Die Meiofauna im Bereich der Ölkatastrophe ist enorm zurückgegangen, so die Studie.

    Die Wissenschaftler gehen außerdem von Schäden an Meeresflora und -fauna oberhalb des Meeresbodens aus, die durch sogenannte Schadstofffahnen entstanden sind. Schadstofffahnen entstehen, da Öl eine geringere Dichte als Wasser hat und nach dem Austreten aus der undichten Stelle am Meeresboden an die Wasseroberfläche steigt. Durch natürliche Meeresströmungen werden die Schadstofffahnen auf ihrem Weg nach oben teilweise zerissen und im Meer verteilt oder bleiben an Riffen oder Meeresflora- und fauna hängen. Von Schadstofffahnen betroffen sind im Golf von Mexiko vor allem Plankton und Fauna in den mittleren pelagialischen Zonen (Mittelwasser unterhalb der lichtdurchfluteten Zone). Problematisch hierbei ist vor allem, dass die Lebewesen für ihre Erholung auf den vollständigen Abbau des Ölgehalts im Meer angewiesen sind, der Abbau des Öls aber nur mit Hilfe von Licht und Sauerstoff möglich ist. Aufgrund der Wassertiefe sind Licht und Sauerstoff jedoch in den mittleren pelagialischen Zonen kaum vorhanden und somit wird der Abbau des Öls sehr lange dauern.

    Obwohl diese veröffentlichten Studienergebnisse von Experten verifiziert wurden, widersprach die Ölfirma BP den Behauptungen der Wissenschaftler. Der Pressesprecher der Firma sagte aus, es gebe bis dato keine fundierten Erkenntnisse über den Erholungszeitraum von Tiefseelebewesen nach einer solchen Ölkatastrophe. Alle weiteren Erkenntisse der Studie seien darüber hinaus seit über zwei Jahren bekannt und nicht neu, so BP.

    Derzeit arbeiten die Wissenschaftler an weiteren Proben, die sie 2011 entnommen haben. Erkenntisse aus diesen Proben werden im kommenden Jahr veröffentlicht.

    Die Explosion auf der Ölplattform Deepwater Horizon wurde am 20. April 2010 durch ausströmendes Erdgas aus dem Bohrloch ausgelöst. Bei der Explosion starben elf Menschen. Zwei Tage nach der Explosion sank die Plattform. Bis zum 16. Juli 2010 strömten aus dem Bohrloch Rohöl und Erdgas mit einem Druck von etwa 900 bar aus.

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