• Touristen gefährden den Bestand von Elefanten auf Sri Lanka

    Posted on August 8, 2014 by in Alle Artikel, Nachrichten

     

    Der Inselstaat Sri Lanka vor der Südspitze des Indischen Subkontinents verzeichnet seit dem Ende des Bürgerkriegs 2009 steigende Touristenzahlen. Nicht nur die einzigartige Naturlandschaft mit schönen Stränden der Insel zieht die Besucher an, sondern auch die Aussicht auf Kontakt mit Elefanten, die auf Sri Lanka allgegenwärtig sind. Für einen Großteil der Reisenden ist der Ritt auf einem Elefanten ein besonderes Highlight ihres Urlaubes. Das Elefantenwaisenhaus Pinnewala, ca. 90 km nordöstlich von der Hauptstadt Colombo, hält etwa 80 Elefanten und gehört zu den Touristenattraktionen Sri Lankas.

    Für die grauen Riesen sind die steigenden Touristenzahlen mit negativen Folgen verbunden. Nach offiziellen Zählungen leben ca. 6.000 Elefanten auf Sri Lanka, doch es werden jedes Jahr etwa 250 weniger. Meist werden die Tiere von Menschen getötet, wenn sie aufgrund ihres verringerten Lebensraumes in deren Gebiete eindringen. Hinzukommt, dass laut Tierschützern viele Muttertiere getötet werden, um so ihre Babys leichter einzufangen. Laut dem Direktor des Umweltschutzfonds in Sri Lanka, Sajeewa Chamikora, könne mit einem Baby-Elefanten meist mehrere Tausend Euro verdient werden. Nach dem Kauf werden die kleinen Dickhäuter von untrainierten und schlecht bezahlten Elefantenführern (Mahouts) betreut, die diese durch Futter- und Wasserentzug, durch Umwerfen und Schläge abrichten. Später müssen die extrem sozialen Elefanten alleine leben und in Ketten Touristen durch die Gegend tragen, von den Mahouts durch spitze Haken angetrieben.

    In den letzten 7 Jahren wurden nach Schätzungen der Tierschutzorganisation Pro Wildlife mehr als 70 Elefantenkälber von Wilderern eingefangen. Die Wilderer können die Wildfänge aufgrund von Gesetzeslücken, Korruption und passiv arbeitender Behörden relativ einfach als Nachzuchten ausgeben und eintragen lassen. Dabei wurde in den vergangenen zehn Jahren in Sri Lanka nicht eine einzige Elefantengeburt in privater Haltung aufgezeichnet.

    Dass die Wilderer nur selten in den Wildparks erwischt werden, liegt laut einem Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation Born Free Foundation zumeist daran, dass sie unter den Dorfbewohnern, Farmern und Wildhütern viele Kontakte und Freunde haben und diese sie unbehelligt wildern lassen. Auch die Hilfe von Tierärzten, indem sie die Elefanten vor dem Fangen betäuben, ist denkbar.

    Der Elefantentourismus ist jedoch nicht nur in Sri Lanka weit verbreitet. Auch in anderen asiatischen Urlaubsgebieten werden Elefanten zur Unterhaltung von Touristen missbraucht und gequält (siehe Artikel vom 10.09.2013).

    Pro Wildlife appelliert an die Touristen, die Elefanten auf Safaris in freier Wildbahn zu beobachten und Kontakt, Fütterung, Badespiele und Ritte auf scheinbar gezähmten und liebevoll versorgten Elefanten zu verzichten.

    Mehr Informationen finden Sie hier und hier.