• Urlaub und Menschenrechte

    Posted on März 13, 2014 by in Alle Artikel, Diskussionen

     

    heute.de berichtet über das Thema Menschenrechte im Tourismus und sieht darin keinen Widerspruch. Tourismus kann auch Impulse geben, Menschenrechte zu achten. heute.de sprach dazu auch mit Prof. Zeiss.

    Hier der Artikel, folgend in Auszügen:

    “Grundsätzlich gilt: Solange der Urlaub für die beteiligten Firmen wirtschaftlich ist, können Mitarbeiter auch ordentlich bezahlt werden”, sagt Klaus Lengefeld. Er leitet das Vorhaben “nachhaltige Entwicklung von Ländern durch Tourismus” der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). So könne der Urlauber für eine Woche Pauschalurlaub in Tunesien für 100 Euro nicht erwarten, dass Mitarbeiter im Land einen fairen Lohn bekommen.Dem stimmt Harald Zeiss grundsätzlich zu. Jedoch sieht der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Nachhaltigkeit des Deutschen ReiseVerbandes (DRV) die Reiseveranstalter nicht in der Verantwortung für diese niedrigen Preise. “Wenn vermehrt Urlauber ein bestimmtes Land meiden, dann entsteht dort ein wirtschaftlicher Druck”, erklärt er. “Verständlich, dass Leistungsträger wie Hotels aber auch Reiseveranstalter, den Urlaub lieber günstiger anbieten, bevor niemand mehr dorthin reist.”

    Deshalb sei es wichtig, die Nachfrage abzuchecken, bevor neue Urlaubsorte entstehen. “Wir prüfen zuerst, welche Länder und Destinationen geeignet sind für den Tourismus”, sagt Lengefeld. “Dazu gehört, ob es ausreichende Attraktionen gibt und wie viel benötigte Infrastruktur bereits vorhanden ist.” Ist ein Gebiet geeignet, versucht die GIZ als Mittler, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen – Regierung, Investoren, Betreiber und Bevölkerung.”Wichtig ist ein transparenter Prozess der touristischen Entwicklung für alle Beteiligten und Betroffenen”, erklärt der studierte Pädagoge und Psychologe. “Wenn die lokale Bevölkerung nur sieht, dass die Regierung ihr  Land will, aber nicht weiß, was damit passiert, dann läuft die Tourismusentwicklung von Beginn an falsch.” Die GIZ untersucht Fälle von Menschenrechtsverletzungen, die von NGOs berichtet werden, um herauszufinden, ob es sich um Einzelfälle handelt. “In Sri Lanka beispielsweise wurden an manchen Stränden Fischer durch Tourismusentwicklung verdrängt. Andererseits verdienen 10.000 Fischer viel Geld durch den Verkauf ihres Fangs an Hotels, sodass die Gesamtbilanz des Tourismus positiv ist.”

    Es kann auch vorkommen, dass die aufgezeigten Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern gar nicht als solche wahrgenommen werden. “Wenn Kinder in Deutschland Zeitung austragen, so wird das hierzulande nicht als Kinderarbeit wahrgenommen”, sagt Zeiss. “In anderen Ländern könnte beispielsweise die Tatsache, dass Kinder Busfahrern das Essen bringen, nicht als Kinderarbeit gesehen werden.“Wenn Reiseveranstalter über Fälle von Menschenrechtsverletzungen erfahren, suchen sie als Erstes das Gespräch. “Wir sprechen uns bekannte Missstände gegenüber unseren Partnern vor Ort an und geben ihnen Hilfestellungen, wie diese behoben werden können”, erklärt er. Eine sofortige Kündigung halte er für keine gute Idee, da sie nicht das Problem behebe. Die Agenturen vor Ort kooperieren einfach mit anderen Veranstaltern.

    Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums berät die GIZ Regierungen, ihr Land nachhaltig zu entwickeln. “Dabei wird Tourismus zu selten als Chance gesehen, vor allem für die Schaffung von Arbeitsplätzen”, sagt Lengefeld. In der Hotellerie könne mit den wenigsten Ressourcen die höchste wirtschaftliche Entwicklung erreicht werden. “Wir haben die Jobzahlen in allen wichtigen Wirtschaftssektoren von 2004-2011 verglichen: Bei den fünf größten Hotelketten sind es im Durchschnitt 20 Arbeitsplätze je 1 Mio Euro Umsatz, in allen anderen Branchen nur zwischen zwei und sechs Arbeitsplätze, d.h. die Hotellerie generiert 3-10mal so viele Jobs wie jede andere Branchen.”Zum anderen bekommen Beschäftigte die Chance, sich weiterzuentwickeln. In beliebten Tourismus-Ländern gibt es Hotelschulen, die ihr eigenes Personal ausbilden und somit auf lokale Ressourcen zurückgreifen. “Es ist richtig, dass die meisten Mitarbeiter auf sehr niedrigem Niveau als Kellner oder Zimmermädchen anfangen. Doch wer sich engagiert, kann in der Hotellerie eine erstaunliche Karriere machen. Wir haben bei unseren mehr als 1000 Mitarbeiterinterviews viele getroffen, dies es von Tellerwäscher bis ins Management von Hotels geschafft haben.”