• Einstellung zu umweltfreundlichem Reisen ändert sich bei Deutschen kaum

    Posted on Februar 26, 2015 by in Alle Artikel, Entwicklungen und Trends, Studien

    Die Deutschen reisen gern und viel. Allerdings sind sie nur bedingt bereit, bei der Auswahl ihres Urlaubszieles der Umwelt zuliebe Einschränkungen oder einen finanziellen Mehraufwand in Kauf zu nehmen. Dies ist das Kernergebnis einer aktuellen Untersuchung im Bereich Reisen und Tourismus auf Basis des GfK Global Green Index, einer gemeinsamen Studie von GfK und GfK Verein.

    Lediglich 15 Prozent der Deutschen wählen ihre Urlaubsziele danach aus, ob bei der Reise die Umwelt geschont wird und würden dafür auch Einschränkungen beim Urlaubserlebnis hinnehmen. Nur etwa jeder Fünfte gibt an, aus Umweltschutzgründen eine Reise mit dem Flugzeug zu vermeiden, auch wenn die Flugreise günstiger oder schneller wäre – hier ist die Bereitschaft in der Langfristbetrachtung sogar leicht rückläufig. Immerhin knapp ein Drittel der Deutschen zeigt sich jedoch grundsätzlich bereit, einen Aufpreis für umweltfreundliches Reisen wie zum Beispiel eine CO2 Kompensation für Flug- oder Bahnreisen zu bezahlen. Weiterentwickelt hat sich das ökologische Bewusstsein im Laufe der vergangenen Jahre jedoch nicht. Zum Vergleich: In der Diskussion zum Ausstieg aus der Kernenergie waren circa 60 Prozent der Bundesbürger bereit, für nachhaltig produzierten Strom mehr Geld auszugeben.

    Verglichen mit anderen Themen wie Recycling oder Energieversorgung besteht bei den Deutschen in Bezug auf umweltfreundliches Reisen also noch Nachholbedarf. Doch auch hier scheint es Potential zu geben. Bereits 40 Prozent der Bundesbürger achten darauf, Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen zu kaufen, die ökologisch nachhaltig und umweltfreundlich orientiert sind. In dieser Gruppe ökologisch orientierter Verbraucher ist auch der Anteil von Personen deutlich höher, die bei Urlaubsreisen der Umwelt zuliebe persönliche Einschränkungen hinnehmen würden. Jeder Zweite dieser umweltfreundlichen Verbraucher wäre bereit, für den hinterlassenen „ökologischen Fußabdruck“ bei einer Urlaubsreise zum Beispiel eine CO2 Kompensation für Flug- oder Bahnreisen zu entrichten. Immerhin 31 Prozent der Befragten würden aus Umweltschutzgründen Flugreisen vermeiden. Wenigstens jeder Vierte dieser Deutschen würde seine Urlaubsziele nach ökologischen Gesichtspunkten auswählen.

    Die Ergebnisse zeigen, dass bei den Deutschen auch in Bezug auf Urlaubsreisen grundsätzlich ökologisches Bewusstsein vorhanden ist. Für die Reisebranche bestehen damit Möglichkeiten, das Bewusstsein der Bevölkerung für umweltfreundliches Reisen weiter zu schärfen. „Reiseanbieter könnten diese neuen Gestaltungsspielräume nutzen, um ihre Attraktivität für einzelne Zielgruppen zu steigern und sich vom konventionellen Wettbewerb zu differenzieren“, sagt Bertram Angermann, GfK-Experte aus dem Bereich Reise und Tourismus. „Neben klassischen Medien bieten sich für Nachhaltigkeitskampagnen auch soziale Medien an, um den Reiseinteressierten auf umweltfreundliche Alternativen und Anbieter aufmerksam zu machen.“

    Ansätze für Nachhaltigkeit gibt es bereits in der Reisebranche. So werden vermehrt Zertifikate oder Preise für nachhaltigen Tourismus verliehen. Speziell in der Luftfahrtindustrie arbeiten die weltgrößten Flugzeugbauer bereits seit Längerem an der Entwicklung ökologisch-effizienter Antriebe. Darüber hinaus haben einige Fluggesellschaften wie beispielsweise Lufthansa, South African Airways oder All Nippon Airways bereits erfolgreich Flugtests mit Bio-Treibstoffen absolviert.

    GfK ermittelt mit dem GfK Global Green Index seit 2011 das Umweltbewusstsein und die Nachhaltigkeitseinstellung von Verbrauchern. Neben generellen Einstellungen wird auch untersucht, ob und in welchem Ausmaß Verbraucher bereit sind, anfallende Kosten für umweltbewusstes Verhalten zu tragen. Die Einzelergebnisse werden zu sieben Subindizes verdichtet: Energie im Haushalt, Mobilität, Tourismus, Umweltschutz und Ressourcen, Abfall, Recycling und Entsorgung, Energieversorgung sowie Konsum und Produktion. Die einzelnen Subindizes werden entsprechend ihrer Bedeutung für die Verbraucher zum GfK Global Green Index zusammengefasst. Als neuer Aspekt wird seit 2014 auch die Einstellung der Verbraucher zu Nachhaltigkeitsprojekten von Unternehmen gemessen.

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