• Lufthansa testet Biokerosin

    Posted on August 27, 2015 by in Alle Artikel, Entwicklungen und Trends, Nachrichten

     

    Seit langem wird die Luftfahrtbranche von Umwelt- und Klimaschützern mit Vorwürfen zu ihren hohen CO2-Emissionen konfrontiert. Denn Flugzeuge tragen mit ca. 2,5 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei. Da die Passagierzahlen Jahr für Jahr und damit auch die CO2-Emissionen zunehmen, müssen die Airlines nachhaltiger werden. In einem Artikel im Juni 2014 haben wir bereits über ökologische Weiterentwicklungen in Form von Elektroflugzeugen in der Luftfahrt berichtet. Ein Online-Artikel der Zeit informiert nun über Flüge der Lufthansa mit einer Biokerosin-Mischung.

    Seit Mai dieses Jahres betankt die gesamte Lufthansa-Gruppe inkl. der Tochtergesellschaften ihre Flugzeuge in Oslo mit einer Biokerosin-Mischung, ca. 5.000 Lufthansa-Flüge bekommen so knapp 9,5 Millionen Liter Biokerosin vom finnischen Hersteller Neste Oil. Die Mischung besteht noch zu 95% aus herkömmlichem Kerosin und lediglich zu 5% aus Biosprit, dessen Zusammensetzung nicht veröffentlicht wurde.

    Bereits vor vier Jahren testete Lufthansa auf der Strecke Frankfurt-Hamburg mit einer Biokerosin-Mischung für einen Airbus A321. Die Mischung bestand zu je 50 Prozent aus herkömmlichem Kerosin und Biosprit, der hauptsächlich aus Jatropha-Öl, einer giftigen Nuss, hergestellt wurde, jedoch auch Leindotteröl, Altfette und Palmöl enthielt. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace kritisierten den Einsatz von Palmöl, da durch den großflächigen Anbau von Palmen bedrohten Tierarten der Lebensraum entzogen werde. Ferner konnte oder wollte Neste Oil als Lieferant des Biosprits nicht angeben, aus welchen Plantagen die Öle stammen. Aufgrund der Diskussionen um die Flächennutzung erprobte Lufthansa im September 2014 auf der Strecke Frankfurt-Berlin einen Biosprit, der zu 10% aus Zucker bestand, der von Mikroorganismen erzeugt wurde. Für die aktuell verwendete Biokerosin-Mischung liegt nach Angaben von Lufthansa ein Nachhaltigkeitszertifikat vor. Laut dem Professor für Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der TU Hamburg-Harburg und Fachmann für Biomasse und alternative Treibstoffe, Martin Kaltschmitt, ist die Diskussion über die potentielle Zweckentfremdung von Anbauflächen überflüssig, da in bestimmten Ländern Afrikas große, nicht genutzte landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung stehen, auf denen der Anbau von Produkten für die Biospriterzeugung zur lokalen Wertschöpfung beitragen könne, ohne die Anbauflächen für Nahrungsmittel zu verringern.

    Langfristig gesehen sollte laut Kaltschmitt das Biokerosin zur Deckung der Nachfrage beitragen, jedoch ist die Herstellung von alternativen umweltfreundlichen Treibstoffen bislang aufgrund des hohen technischen Aufwands etwa dreimal so teuer wie herkömmliches Kerosin.

    Dennoch sieht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt das Biokerosin als gleichwertige Alternative gegenüber dem fossilen Kerosin, da die „grünen“ Treibstoffe zur Verringerung von Klimagasemissionen beitragen. Der aktuell von Lufthansa eingesetzte Biosprit soll außerdem eine Reduktion der anderen Luftschadstoffe bewirken, da es eine etwas höhere Energiedichte besitzt.

    Die positive Wirkung ist jedoch noch nicht so groß, wie Auswertungen des Lufthansa-Tests von 2011 gezeigt haben. Der Biosprit wurde auf 1.187 Lufthansa-Flügen eingesetzt, dabei wurden 1.500 Tonnen CO2 vermieden, doch die Stickoxid- und Kohlenmonoxid-Emissionen haben sich im Vergleich zum herkömmlichen Kerosin nicht verringert. Hersteller Neste Oil hatte jedoch im Vorfeld Zahlen veröffentlicht, die von einer Reduzierung der Stickstoffoxid- und Kohlenmonoxid-Emissionen um zehn bzw. 28 Prozent ausgingen.

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