• Traumhafter Urlaub, der schädliche Umweltbelastungen birgt

    Posted on Mai 5, 2015 by in Alle Artikel, Entwicklungen und Trends, Studien

     

    Kreuzfahrten erfreuen sich bei den Urlaubern wachsender Beliebtheit. Jedes Jahr verbringen mehr als 20 Millionen Menschen ihren Urlaub auf einem der über 560 Ozeanriesen, Tendenz steigend.

    Doch die Kreuzfahrtschiffe stehen seit Jahren aufgrund der hohen Umweltbelastungen in der Kritik der Umweltschützer. Die Schiffe werden mit Schweröl betankt, welches als Abfallprodukt bei der Erzeugung von Diesel und Benzin entsteht und an Land teuer entsorgt werden müsste. Stattdessen wird das Schweröl als billiger Treibstoff an die Reedereien verkauft. Bei der Verbrennung des Schweröls entstehen giftige Abgase wie Schwefel- und Stickoxide, krebserregende Feinstaubartikel sowie kritische Schwermetalle, die Mensch, Natur und Klima belasten.

    Auf hoher See ist ein Schwefelanteil von bis zu 3,5 Prozent erlaubt, womit der Grenzwert sehr viel höher als der von Diesel für Kraftfahrzeuge liegt. Rußpartikelfilter, wie sie bereits im Straßenverkehr verpflichtend sind, sind in der Schifffahrtsindustrie nicht existent.

    Aufgrund dieser lockeren Vorschriften auf See steigen die gefährlichen Emissionen der Schiffe seit Jahren stark an. Doch nicht die Kreuzfahrtschiffe sind die Hauptverursacher, sondern die fast 50.000 Frachtschiffe. Dennoch sehen Kritiker hauptsächlich die Kreuzfahrtindustrie in besonderer Verantwortung für den Schutz der Umwelt, da diese jährlich viele Millionen Menschen in intakte Naturlandschaften und fragile Ökosysteme bringen.

    Mit der Kampagne „Mir stinkt’s“ fordert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) die Reedereien und Kreuzfahrtbetreiber, aber auch Politik und Wirtschaft, auf, die Schiffe mit konkreten Maßnahmen sauberer zu machen. Beispielweise soll Schweröl nicht mehr als Treibstoff verwendet, sondern stattdessen auf schwefelarmen Diesel und Flüssiggas (LNG) umgestellt werden. Die Ausweisung der Küsten- und Hafengebiete in der Europäischen Union als Schutzgebiete sowie stärkere Kontrollen sind weitere wirksame Maßnahmen, um so die schädlichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu reduzieren.

    In seinem Kreuzfahrtranking 2014 vergleicht der NABU die Antriebssysteme europäischer Kreuzfahrtschiffe hinsichtlich ihrer Umweltfreundlichkeit. Hier steht AIDA Cruises auf dem ersten Platz, das Unternehmen plant auf allen Schiffen moderne Abgassysteme in Form von Rußpartikelfiltern und Stickoxid-Katalysatoren einzubauen.

    Als erstes Schiff weltweit fährt die „Mein Schiff 3“ vom Zweitplatzierten TUI Cruises bereits seit Juni 2014 mit einem Abgasreinigungssystem, welches zu einer Reduzierung der schädlichen Emissionen führt. Beispielsweise werden so 99 Prozent weniger Schwefelemissionen, bis zu 75 Prozent weniger Stickoxide sowie 60 Prozent weniger Rußpartikel in die Atmosphäre abgegeben. Die Abgasanlage wird dabei regelmäßig von einem Umweltoffizier kontrolliert.

    Die meisten Kreuzfahrtanbieter investieren jedoch nicht in eine bessere Umwelttechnik, um Kosten zu sparen. So helfen wohl nur strengere Vorschriften für die Schifffahrtindustrie, um die schädlichen Belastungen der Abgase für Mensch und Umwelt zu minimieren.

    Weitere Informationen finden Sie hier und hier.