• Tourismus in Island: Fluch oder Segen?

    Posted on Dezember 14, 2016 by in Alle Artikel, Diskussionen, Entwicklungen und Trends, Studien

     

    Seit einigen Jahren hat sich die Insel Island zu einer der angesagtesten Trenddestinationen für Naturliebhaber entwickelt. Mit dem Fußball-EM-Erfolg stieg auch die Zahl der Besucher stetig an: Bis Ende Oktober 2016 besuchten rund 1,5 Mio. Touristen das Eiland, über ein Drittel mehr als im selben Zeitraum ein Jahr zuvor. Mittlerweile wurde der einst wichtigste Wirtschaftszweig – die Fischindustrie – vom Tourismus abgelöst. Betrachtet man die Übernachtungszahlen, kommen täglich 30.000 Touristen auf der Insel an. Dem stehen 337.000 Einwohner gegenüber. Die höchste Quote weltweit! Zur Debatte steht, ob die rasante Tourismusentwicklung ein Fluch oder eher ein Segen für Island ist.

    Vulkane, Klippen, Geysire, Gletscher, saftiges Grün…aus diesen Gründen reisen Touristen nach Island. Doch die steigenden Besucherzahlen verlangen nach mehr Unterkünften. Mittlerweile sieht man in Reykjavik überall Baukräne, die neue Hotels entstehen lassen. Die Angst, dass ein Benidorm des Nordens geschaffen wird, ist bei Umweltaktivisten groß. Die Isländer scheinen nicht in der Lage zu sein, ihren wahren Schatz zu schützen: die Natur.

    Touristen campen, wo sie wollen, nutzen Autowaschanlagen als Dusche und hocken sich in die Natur, wo die Natur sie gerade ruft. Müll bleibt liegen, Moose werden zertrampelt, die auf Lavaboden Jahrhunderte brauchen zu wachsen. Laut einer Studie des isländischen Tourismusverbands gaben 75,7% der Befragten an, dass der Druck durch die Touristen auf die Natur zu hoch sei. Mittlerweile wurde erkannt, dass die Einwohner den Tourismus auch negativ wahrnehmen können. Eine Umfrage der Tourismusforscherin Guðrún Þóra Gunnarsdóttir hat aber auch ergeben, dass ausnahmslos alle Gemeinden Islands den Tourismus begrüßen, denn der Tourismus mache die Menschen wieder stolz auf ihre Orte. Zudem ist dank des Tourismus die Arbeitslosenquote auf 2,6 Prozent gesunken.

    Insgesamt sind die Isländer nicht von den Besuchern müde, sondern von der Nicht-Existenz eines Tourismusplans und einer fehlenden Strategie. Ihrer Meinung nach sollen auch die Besucher einen Beitrag u.a. am Ausbau der Infrastruktur leisten. Denkbar wären hierfür eine Übernachtungssteuer, Einreise- oder Abreisesteuer, Eintrittspreise für die Nationalparks. Jedoch gilt in Island das Jedermannsrecht, d.h. es darf grundsätzlich privates Land betreten werden. Daher stoppte auch 2014 der Oberste Gerichtshof den Verkauf von Tickets an Geysiren.

    Um der Natur gerecht zu werden, müssen die Isländer zu bedenken, dass empfindliche Naturplätze vor weiterem Massenansturm geschützt werden müssen. Immerhin scheint der Tourismus bereits den Kleinunternehmern der Insel Gutes zu tun. Bleibt nur abzuwarten, ob auch das wahre Ich der Insel gehütet werden kann.

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