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VonHarald Zeiss

Erstes Hotel wird UN-Umweltpreisträger

Das Bucuti & Tara Beach Resort ist das erste Hotel weltweit, das den UN-Umweltpreis gewonnen hat. Das ist insofern erstaunlich, dass der Preisträger auf Aruba liegt. Bis jetzt ist dieses Land noch nicht in besonderem Maße als nachhaltige Destination hervorgetreten. Aber das kann sich jetzt ändern.

Das Bucuti & Tara Beach Resort ist ein Vorbild, wenn es um nachhaltiges Hotelmanagement geht. Es ist das erste klimaneutrale Hotel der Karibik und dafür als erstes Resort weltweit mit dem „Global United Nations Climate Action Award“ ausgezeichnet worden.

Die Auszeichnung verleihen die Vereinten Nationen seit zehn Jahren jährlich an Unternehmen, die sich besonders in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz engagieren. Bisher erhielten aber nur Unternehmen wie Apple oder Infosys die Auszeichnung. „Die Tatsache, dass nun ein Hotel der Preisträger ist, zeigt, dass jede einzelne Institution der Reisebranche einen Teil zum Umweltschutz beitragen kann“, heißt es von den Vereinten Nationen in einer Mitteilung.

Für den österreichischen Inhaber Ewald Biemans ist diese Auszeichnung aber nur eine weitere Etappe in seiner bisherigen Umweltkarriere. Biemann setzt sich bereits seit Gründung seines Unternehmens im Jahr 1987 für mehr Umweltschutz im Tourismus ein. Und er hat noch große Pläne wie er in einem Interview berichtet.

Bereits kurz nach der Gründung Biemans mit den ersten Umweltschutzmaßnahmen. Anlass war, dass ihn ein deutscher Gast darauf angesprochen habe, wieso Bier aus Flaschen oder Dosen in Plastikbechern serviert werde – was ihn zum Nachdenken anregte. Und dann änderte sich alles.

Im Laufe der Zeit wurden viele Prozesse umgestellt. Die Nachhaltigkeitsinitiative des Resorts umfasst einen ganzen Katalog an Umweltmaßnahmen:

  • Jeder Gast erhält eine wiederverwendbare Wasserflasche, wodurch 290.000 Einwegflaschen eingespart werden.
  • Grauwasser wird wiederaufbereitet und zur Bewässerung genutzt.
  • Lebensmittelabfälle konnten um 30 Prozent reduziert werden.
  • Ein spezielles Wäschereisystem reduziert den Wasserverbrauch.
  • Die Hotelzimmer sind mit Bewegungssensoren ausgestattet. Verlässt der Gast das Zimmer, wird die Kühlleistung der Klimaanlage heruntergefahren, sodass pro Jahr zwischen 32 und 38 % Energie gespart wird.
  • Recycling von Müll und Abfällen in zahlreichen Bereichen.
  • Die Geräte im Fitnessstudio produzieren bei der Benutzung Strom, welcher ins Stromnetz des Resorts eingespeist wird.
  • Bestellungen beispielsweise von Lebensmitteln werden gemeinsam mit anderen lokalen Unternehmen getätigt, um die Anzahl von Importen auf die Insel zu reduzieren.

Das sich das rechnet, kann der Geschäftsführer bestätigen: “Es ist durchaus möglich, ein finanziell erfolgreiches Hotel zu führen, den Gästen einen unvergesslichen Urlaub zu bieten und gleichzeitig nachhaltig Verantwortung zu übernehmen. Bucuti & Tara beweist jeden Tag, dass denkwürdige Ferien und Nachhaltigkeit sich gegenseitig einschließen. Der Klimawandel betrifft jeden, daher hat jeder Hotelier weltweit ein Interesse daran, ihn zu korrigieren.”

Der Tourismus ist in der Tat Verursacher und Leidtragender des Klimawandels zugleich. Zwischen 3 % und 5 % der weltweiten Emissionen stammen aus dem Tourismus. Insofern geht das Bucuti & Tara Beach Resort mit gutem Beispiel voran und wurde zurecht von den vereinten Nationen ausgezeichnet.

VonHarald Zeiss

Herausforderung Pools und Nachhaltigkeit

Zu einem Strandurlaub gehören nicht nur der Strand und das Hotel, sondern auch ein oder mehrere Pools. Eigentlich ist das überraschend, denn in den meisten Fällen lädt ein Meer zum Baden ein. Aber unsere Gesellschaft tickt da anders: Für einen gelungenen Urlaub sollte sowohl eine Option für das Baden in Süßwasser wie auch in Salzwasser vorhanden sein.

Das Betreiben eines Pools ist keine leichte Aufgabe. In der Regel benötigt ein Schwimming-Pool viel Energie. Und für die Wasseraufbereitung kommen Chlor und anderen Chemikalien zum Einsatz. Kann man heutzutage Pools nicht auch nachhaltig oder zumindest nachhaltiger betreiben?

Ohne Chemie geht’s kaum

Chlor, dessen typischen Geruch man aus öffentlichen Schwimmbädern kennt, kommt häufig auch in konventionellen Hotelpools zum Einsatz. Dabei gäbe es Alternativen in Form von Schwimmteichen, bei denen das Wasser chemiefrei durch die spezielle Bepflanzung auf natürliche Weise gereinigt und aufbereitet wird.

Allerdings ist das in Hotelanlagen häufig nicht oder nur eingeschränkt möglich. Zum einen benötigt man den entsprechenden Platz für die Vegetation, zum anderen muss der Pool auch eine hohe Anzahl von Badegästen – inclusive Sonnencreme und Schminke, die sich im Wasser ablöst – verkraften können.

Leider fühlen sich nicht nur wir Menschen im angenehm temperierten Poolwasser wohl. Mit Hilfe der Desinfektion wird man ungebetene Gäste wie Mikroorganismen oder Keime schnell und vor allem zuverlässig los, denn Hotels müssen für höchste Sicherheit und Hygiene beim Schwimmbadwasser garantieren. Gerötete Augen und trockene Haut sind sichtbare Zeichen eines zu hohen Chemikalien-Einsatzes.

Aber was tun gegen überschüssiges Chlor im Wasser? Wer nicht warten will, kann Natriumthiosulfat verwenden. Es wirkt als Reduktionsmittel, das freie Radikale neutralisiert. Im Schwimmbecken entfernt es überschüssiges Chlor. Ganz ohne Chemikalien kommen große Hotelpools also nicht aus. Es sei denn, sie werden statt mit Süßwasser mit Salzwasser betrieben. Aber dann können die Gäste auch gleich ins Meer zum Baden.

Solarenergie für den Pool

Immerhin ist die Frage nach der Energiegewinnung gelöst. Zum einen werden die Betriebsmaschinen wie die Umwälzpumpen immer effizienter, zum anderen haben viele Hotels bereits eine Energieversorgung mithilfe von Photovoltaik. Dann, wenn der Pool am meisten beansprucht wird – tagsüber bei Sonnenschein – liefern die Paneelen die notwendige Energie. Ganz umweltfreundlich.

Darüber hinaus gibt es erprobte Lösungen zur Gewinnung von Warmwasser. Hier kommen Solaranlagen zum Einsatz, die das Wasser ohne zusätzlichen Strombedarf erwärmen – allein aus der Kraft der Sonne. Dies ist bei gut ausgerichteten Anlagen auch noch bis in den Herbst möglich. Vorausgesetzt natürlich, dass auch die Sonne scheint.

VonHarald Zeiss

Corona – eine Chance für mehr Nachhaltigkeit?

Das Corona-Virus hat die ganze Welt im Griff und kaum ein Tag vergeht, an dem es keine schlechten Nachrichten aus der Tourismusbranche gibt. Länder verbieten – zu recht – das Reisen und somit bleiben den Hoteliers und Gaststätten, Ausflugsanbietern und Kreuzfahrtschiffen die Urlauber aus. Auch der Geschäftsreisemarkt ist fast vollständig zum Erliegen gekommen, genauso wie der internationale Flugverkehr.

Dabei liebt die Normalität nur einige Wochen zurück und bereits jetzt stellen sich einige bang die Frage, was vom Tourismus nach der Krise übrig bleibt, wenn viele Reiseveranstalter, Reisebüros und Leistungsträger Insolvenz anmelden müssen. Oder wenn die Urlauber aufgrund von Gehaltskürzung durch Kurzarbeit und Selbstständige ohne Einkommen bei den Reisebuchungen künftig weniger Geld für Urlaub in der Tasche haben.

Da bleibt wenig Hoffnung auf positive Nachrichten und Effekte, die aus der Corona-Krise folgen könnten. Aber es gibt tatsächlich schon einige Stimmen, die laut überlegen, ob der Tourismus nicht aus der Krise lernen könnte und sich eine stärkere Widerstandskraft gegen derartige Ereignisse antrainieren könnte. Vor allem die geringe Liquidität und die prekären Arbeitsbedingungen spielen bei diesen Überlegungen eine Rolle, aber auch die Globalisierung des Flugverkehrs, der nur der Spiegel unserer schneller-höher-weiter-Gesellschaft ist.

Könnte die Corona-Epidemie am Ende auch zu einem nachhaltigeren Tourismus führen?

Was wären die Weichen, die gestellt werden müssten, um der Welt dauerhaft eine Verschnaufpause zu gönnen? Die Delfine, die es wieder in der Bucht von Venedig gibt, sind nur ein Beispiel der positiven Nachrichten aus der Presse. Aber sie sind vielleicht auch ein guter Indikator für die Zukunft, dass wir stärker auf die Notwendigkeit eines sanfteren Tourismus achten.

Im Geschäftsreisemarkt werden heute schon die größten Veränderungen erwartet. Sehr viele Arbeitnehmer sind aufgrund von Homeoffice-Vorgaben zu Videokonferenz-Spezialisten geworden. Diese Fertigkeiten werden nach Wochen der Praxis so schnell nicht wieder abgelegt und künftig auf eine größere Bereitschaft der Nutzung stoßen. Hier ist auch der Hebel am größten, denn schneller und umweltfreundlicher geht es anderswo nicht.

Ob sich die erholungsuchenden Urlauber künftig an den Computer setzen um den Strand zu genießen, darf gerne bezweifelt werden. Was man jedoch erwarten kann ist, dass Menschen größere Gruppen instinktiv vermeiden werden – zumindest so lange es keine funktionierende Impfung gibt. Das wäre fatal für den Massentourismus, der sich genau über dieses Kriterium definiert. Gewinner werden kleine Hotels und Gaststätten sein, die den Wunsch nach Individualität und Abgrenzung am besten umsetzen können. Auch die Kreuzfahrt wird mit massive Anfangsschwierigkeiten rechnen müssen, bis das Virus vollständig unter Kontrolle ist.

Was bleibt am Ende? Sicherlich eine deutliche Verbreitung von Hygienevorschriften und Desinfektionsspendern in öffentlichen Bereichen. Vielleicht werden wir an Flughäfen ein Temperaturmessgerät genau so sehen wie den Ganzkörperscanner, an den sich die Flugreisenden seit 9/11 gewöhnt haben. Dass wir Flüssigkeiten nicht mehr ins Flugzeug nehmen dürfen, ist hinlänglich bekannt. Dass wir künftig im Flugzeug Masken tragen vielleicht noch Utopie, aber vermutlich schneller unser Alltag als vielen heute bewußt ist.

Auf jeden Fall werden wir mit der nächsten Pandemie schneller und professioneller umgehen, nachdem weltweit gelernt und verstanden wurde, auf was es ankommt.

Im Zweifel steht die Gesundheit der Menschen immer über der Gesundheit der Wirtschaft.

Und die Wirtschaft ist gut beraten, sich darauf einzustellen, und die eigene Widerstandskraft für die Zukunft auszubauen. Wer allerdings die Krise übersteht, der wird wachsen können, auch weil der ein oder andere Mitbewerber nicht mehr am Markt sein wird.