Harald Zeiss Institut für nachhaltigen Tourismus Speaker Redner Moderator

Coolcation: Wie die Klimakrise den Tourismus in Nordeuropa verändert

Sommerurlaub in Gefahr

Wie das Magazin stern berichtet, wird der klassische Sommerurlaub am Mittelmeer zunehmend von Hitze und Waldbränden überschattet. Was jahrzehntelang als Traumziel galt, entwickelt sich für viele Reisende zum Risiko.

Immer häufiger werden gesundheitlich bedenkliche Temperaturen gemessen, zuletzt starb in Rom sogar eine Reiseführerin an den Folgen der Hitze. Über 1500 Menschen verloren in diesem Sommer in Südeuropa ihr Leben durch Hitzewellen. Hinzu kommen Waldbrände, die ganze Regionen zerstören und Touristenorte bedrohen.

Prof. Dr. Harald Zeiss, Geschäftsführer des Instituts für nachhaltigen Tourismus, erklärt im stern: „Wer einmal Temperaturen über 40 Grad erlebt hat, überlegt sich, ob er so seinen Jahresurlaub verbringen möchte.“ Bereits seit einigen Jahren beobachten Tourismusforscher sinkende Reiselust in Europa – nicht nur wegen Pandemie oder Inflation, sondern verstärkt auch wegen klimatischer Risiken.

Effekte auf die Wirtschaft

Für die Wirtschaft sind die Folgen gravierend: In Spanien macht der Tourismus rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Griechenland 13 und in Portugal sogar 21 Prozent. Prognosen zufolge wird der Süden Europas künftig deutliche Einbußen erleiden, während Nordeuropa und Skandinavien von steigender Nachfrage profitieren. Der Trend zur sogenannten „Coolcation“ – Urlaub in kühleren Regionen – ist bereits sichtbar.

Ganz verzichten müssen die Mittelmeerländer auf Touristen jedoch nicht, betont Zeiss: Zwar gehe die Zahl der Hochsommer-Buchungen zurück, doch verlagere sich die Saison zunehmend in den Frühling und Herbst. Damit könnten Destinationen ihre Attraktivität bewahren, wenn sie sich auf diese Veränderungen einstellen.

Für Reisende bleibt die Frage nach der Stornierungsmöglichkeiten bei Hitze oder Bränden relevant: Extreme Temperaturen rechtfertigen nur in Ausnahmefällen eine kostenlose Absage. Bei Naturkatastrophen wie Bränden oder Überschwemmungen gilt eine Reise nur dann als nicht durchführbar, wenn die Region oder Unterkunft direkt betroffen ist.

Der touristische Kalender verändert sich

Die europäische Tourismusstudie von 2023 bestätigt den Wandel: Der Juli wird künftig der Monat mit den stärksten Rückgängen, während der April als neuer Reisemonat an Bedeutung gewinnt.

Der Klimawandel wird so zu einem entscheidenden Faktor für Urlaubsplanung und Tourismuswirtschaft.

Quelle: stern – „Inferno in Südeuropa – Was passiert mit dem Sommerurlaub, wenn’s am Mittelmeer nur noch brennt?“

Weitere Informationen finden Sie unter www.stern.de.