Der Krieg im Iran trifft die globale Reisebranche hart. Die ARD-Tagesschau hat Prof. Dr. Harald Zeiss, Tourismus-Experte an der Hochschule Harz und Geschäftsführer des Instituts für nachhaltigen Tourismus, als Fachexperten befragt, um die Lage für Reisende und Airlines einzuordnen.
Flugpreise: Der Puffer leert sich
Wer aktuell Flüge bucht, bemerkt bereits erste Preissteigerungen, doch das Ausmaß der Kostenwelle ist nach Einschätzung von Prof. Zeiss noch nicht vollständig sichtbar. Airlines kaufen ihren Treibstoffbedarf oft weit im Voraus zu festen Preisen ein, ein Mechanismus, der als „Fuel Hedging“ bekannt ist und als Versicherung gegen schwankende Energiemärkte funktioniert. „Im Moment zehren sie von diesen Reserven“, so Zeiss. Wenn die bestehenden Verträge jedoch auslaufen und Kerosin zu aktuellen Marktpreisen nachgekauft werden muss, könnten die vollen Kostensteigerungen erst im Herbst und Winter in den Ticketpreisen sichtbar werden.
Hintergrund: Nach Angaben des internationalen Airline-Dachverbands IATA hat sich der Preis für ein Barrel Kerosin seit Ende Februar im Schnitt etwa verdoppelt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat bereits bestätigt, dass ein Preisanstieg in dieser Größenordnung sich in höheren Ticketpreisen niederschlagen werde.
Asien-Verbindungen bereits dramatisch teurer
Besonders hart trifft es Reisende auf Langstrecken nach Asien. Prof. Dr. Zeiss beschreibt die Lage deutlich: „Verbindungen nach Bangkok, Mumbai und Singapur sind um das Zwei- bis Fünffache teurer geworden, weil der kürzere Weg über den Persischen Golf nicht mehr möglich ist und die Umwege erhebliche Mehrkosten verursachen.“ Die Drehkreuze in Dubai, Abu Dhabi und Doha sind weiterhin nur stark eingeschränkt in Betrieb, was die Routenplanung der gesamten Branche durcheinanderbringt.
Weniger Flüge, schmaleres Angebot
Reisende müssen sich nicht nur auf höhere Preise, sondern auch auf ein reduziertes Angebot einstellen. United Airlines hat bereits angekündigt, fünf Prozent der für dieses Jahr geplanten Kapazitäten zu streichen. Auch asiatische Fluglinien wie Vietnam Airlines haben reagiert, da Kerosin in der Region besonders knapp ist.
Breitere wirtschaftliche Folgen für den Tourismus
Die Auswirkungen des Iran-Krieges beschränken sich nicht auf die Luftfahrt. Steigende Energiepreise treiben die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Transportkosten, Lebensmittelpreise und voraussichtlich im nächsten Winter auch Heiz- und Stromkosten dürften merklich steigen. Für die Reisebranche bedeutet das: Auch Pauschalreisen und hotelbezogene Dienstleistungen könnten mittelfristig teurer werden, da Energie ein zentraler Kostenfaktor im Tourismus ist.
Einschätzung und Empfehlung
Prof. Dr. Zeiss empfiehlt Reisenden, geplante Fernreisen nach Asien nicht auf die lange Bank zu schieben: „Wer jetzt bucht, kann noch von den derzeit geltenden Konditionen profitieren, bevor die vollen Kostensteigerungen im Herbst und Winter in den Ticketpreisen ankommen.“ so der Experte. „Für europäische Destinationen ist eine spürbare Verteuerung ebenfalls wahrscheinlich, wenn auch zeitlich etwas verzögert.“
Quellen: tagesschau.de, Sebastian Schreiber, März 2026
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