Der Umbau von Belantis zum „Park Asterix Deutschland“ gehört zu den größten Freizeitpark-Projekten, die derzeit in Ostdeutschland entstehen. Die Sächsische Zeitung hat dazu Prof. Dr. Harald Zeiss befragt. Zeiss ordnet in dem Beitrag ein, welche wirtschaftlichen Effekte ein Freizeitpark dieser Größenordnung für eine Region entfalten kann und woran das Projekt scheitern könnte.
Ein neuer Eigentümer mit klarem Plan
Als Belantis 2003 auf einer ehemaligen Tagebaufläche bei Leipzig eröffnete, war das eine kleine Sensation für die Region. Zuletzt aber stand der Park für Stillstand. Unter dem bisherigen Eigentümer Parques Reunidos, der Belantis 2018 übernommen hatte, wurde kaum investiert. Der Umsatz lag zuletzt bei rund elf Millionen Euro im Jahr, die Besucherzahlen wuchsen nicht mehr. Parkmanager Martin Endruhn beschreibt die Phase offen als „Durststrecke“.
Mit der französischen Compagnie des Alpes (CdA) hat Belantis seit Kurzem einen neuen Eigentümer, der den Park für 22 Millionen Euro gekauft hat und nun rund 100 Millionen Euro in den Umbau steckt. CdA gilt in der Branche als ausgesprochen erfahren. Das Unternehmen betreibt zwölf Freizeitparks, darunter mit dem Parc Astérix bei Paris einen der erfolgreichsten Frankreichs, sowie zehn Bergresorts in den Alpen. Endruhn bringt den Unterschied zum Vorbesitzer auf den Punkt: „Das Wichtigste ist, dass wir einen Eigentümer haben, der daran glaubt und sagt: Ich weiß, dass ich in den nächsten zwei Jahren noch keine Amortisierung erwarten darf, sondern erst investiere und dann die Lorbeeren ernte.“ Sein Fazit: „Jetzt wird nicht nur geredet, sondern es folgen Taten.“
Der Umbau erfolgt schrittweise, bei laufendem Parkbetrieb. Ein neuer Idefix-Bereich ist bereits nach nur fünf Monaten Bauzeit eröffnet worden. 2027 soll im griechischen Themenbereich eine Familien-Achterbahn als Launch-Coaster folgen, deren Bau bereits im Sommer 2026 beginnt. Anschließend ist die Aufwertung des ägyptischen Bereichs geplant. François Fassier, Leiter der Freizeitpark-Sparte von CdA, kündigte gegenüber der LVZ weitere neue Attraktionen, Shops und Restaurants für 2027 bis 2029 an. Langfristig sind auch Unterkünfte und laut Fassier sogar ein Wasserpark denkbar, wobei Hotels aus seiner Sicht erst dann sinnvoll sind, wenn zusätzliche Fahrgeschäfte das Angebot tragen. Als Standortvorteile nennt er die Flächenreserven von Belantis, über 80 Hektar, davon 41 Hektar unbebaut, sowie die Lage in einem Einzugsgebiet von rund sechs Millionen Menschen zwischen Leipzig und Berlin.
Die Einschätzung von Harald Zeiss: erhebliche Hebelwirkung für die Region
Ziel von CdA ist es, die Besucherzahlen von zuletzt rund 300.000 zunächst auf 600.000 und langfristig auf nahezu eine Million zu steigern. Für dieses Ziel rechnet Fassier mit rund 400 neuen Arbeitsplätzen im künftigen Asterix-Park. CdA setzt dabei erklärtermaßen auf regionale Wertschöpfung, etwa durch Lebensmittel von lokalen Lieferanten und Bauaufträge an regionale Firmen.
Genau an diesem Punkt setzt die Einordnung von Zeiss an. Ein Freizeitpark dieser Größenordnung entfalte erhebliche Hebelwirkungen auf die regionale Tourismuswirtschaft. Direkte Effekte entstünden durch Beschäftigung und Investitionen. Hinzu kämen indirekte Effekte, der sogenannte touristische Multiplikator: „Indirekte Effekte, der sogenannte touristische Multiplikator, lassen sich bei gut vernetzten Destinationen auf das Zwei- bis Dreifache der direkt erfassten Wertschöpfung schätzen“, erklärt Zeiss. Von einer solchen Entwicklung profitierten neben der Hotellerie im Umkreis auch die Gastronomie, der Einzelhandel und kulturelle Einrichtungen. Auch Volker Bremer, Geschäftsführer der Leipzig Tourismus Marketing GmbH, spricht von einem „echten Ausrufezeichen“ für die Region und hofft, dass die Transformation weitere Folgeinvestitionen auslöst.
Zur Frage, warum ausgerechnet die Marke Asterix ein solches Potenzial hat, verweist Zeiss auf deren Bekanntheit: „Asterix ist in Deutschland eines der bekanntesten und langlebigsten Comic-Franchises überhaupt.“ Dieses Alleinstellungsmerkmal könne Besucherströme erschließen, die einem herkömmlichen Freizeitpark nicht ohne Weiteres zugänglich seien, zumal es im Osten Deutschlands deutlich weniger große Parks gibt als im Westen. Als stärksten regionalen Wettbewerber nennt der Artikel den Freizeitpark Plohn im Vogtland, der 2026 nach eigenen Angaben den weltweit ersten Multi-Launch-Water-Coaster eröffnet, sowie Karls Erlebnis-Dorf in Döbeln, das sich zwar ebenfalls an Familien richtet, aber kein klassischer Freizeitpark ist.
Der entscheidende Hebel: Übernachtung statt Tagesausflug
Besonders aufschlussreich ist die Einschätzung von Zeiss zur Frage, wovon der wirtschaftliche Erfolg des Umbaus für die Region tatsächlich abhängt. Entscheidend sei, ob es dem Betreiber gelinge, die Aufenthaltsdauer der Gäste über den reinen Parktag hinaus auszudehnen. „Ein Tagesgast gibt typischerweise 60 bis 90 Euro aus. Ein übernachtender Gast kann leicht das Drei- bis Vierfache erreichen“, erklärt er. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die regionale Infrastruktur, etwa an Unterkünften, entsprechend mitwächst.
Ehrgeizig, aber nicht unrealistisch
Für manche mag eine Verdreifachung der Besucherzahlen ambitioniert klingen. Zeiss schätzt das Millionen-Besucher-Ziel dennoch als „ehrgeizig, aber nicht unrealistisch“ ein. Zugleich benennt er als Tourismusforscher konkrete Risikoszenarien für das Vorhaben: „Scheitern kann das Projekt, wenn die Transformationsphase zu lange sichtbare Mängel produziert, die Markenerwartungen enttäuscht werden oder die Angebotsqualität nicht mit der kommunizierten Positionierung als Premiumpark mithalten kann.“
Dass ein solcher Weg funktionieren kann, zeigt das französische Vorbild. Guy Vassel, Managing Director des Parc Astérix bei Paris, berichtet von einer vergleichbaren Entwicklung: „Vor zwölf Jahren hatten wir 1,6 Millionen Besucher. Jetzt sind es fast drei Millionen.“ Der französische Park zählt heute drei Hotels, ein viertes ist bereits in Planung.
Quelle: Florian Reinke, „Belantis: Größenwahn oder Masterplan? Analyse zum Asterix-Umbau in Leipzig“, Sächsische Zeitung, www.saechsische.de

