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1.301 Leerflüge für Regierungsmitglieder

Die Flugbereitschaft der Bundeswehr sorgt seit Jahren immer wieder für Schlagzeilen – sei es durch technische Pannen oder die hohen Kosten für Wartung und Instandhaltung. Doch ein Aspekt wird dabei oft übersehen: die enormen Klimaemissionen, die durch die vielen Leerflüge verursacht werden.

Wie der SPIEGEL unter Berufung auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten berichtet, mussten für 1518 Flüge von Regierungsmitgliedern seit Dezember 2021 zusätzlich 1301 Leerflüge durchgeführt werden. Der Grund: Die Flugbereitschaft hat ihren Standort nach wie vor in Köln-Wahn, während die meisten Flüge von Berlin aus starten. Das heißt, die Maschinen müssen erst ohne Passagiere von Köln zum eigentlichen Abflugort gebracht werden.

Dieses Problem besteht nicht erst seit dem Amtsantritt der Ampelkoalition, sondern geht bis auf die Wiedervereinigung und den Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin zurück. Seitdem hat sich an der Stationierung der Flugbereitschaft in Köln nichts geändert – mit fatalen Folgen für das Klima. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele Tonnen CO2 in den letzten Jahrzehnten allein durch diese Leerflüge in die Atmosphäre geblasen wurden.

Hier ist die Politik gefordert, endlich zu handeln und nach einer klimafreundlicheren Lösung zu suchen. Warum wird die Flugbereitschaft nicht nach Berlin verlegt, um die Leerflüge zu reduzieren? Oder noch besser: Warum setzt man nicht verstärkt auf reguläre Linienflüge und verzichtet, wo immer möglich, auf die Flugbereitschaft?

Natürlich ist es wichtig, dass unsere Regierungsmitglieder sicher und zuverlässig zu ihren Terminen gelangen. Aber muss das immer um jeden Preis sein – selbst wenn dabei das Klima mit Füßen getreten wird? Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden. Klimaschutz geht uns alle an, und da darf sich auch die Politik nicht ausnehmen. Es ist höchste Zeit, dass die Verantwortlichen ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und bei der Flugbereitschaft nachhaltigere Wege einschlagen.

Quellen: DER SPIEGEL: „Flugbereitschaft der Bundeswehr: Ampelregierung verursacht über tausend Leerflüge“, 03.05.2024

Was der Klimawandel für den Tourismus bedeutet

Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (englisch: Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz: IPCC) kommt erneut zu dem Schluss: Der Klimawandel ist eine Tatsache und menschliche Aktivitäten, insbesondere der Ausstoß von Kohlendioxid, sind mit mindestens 90-prozentiger Sicherheit die Hauptursache dafür. Klimaveränderungen machen sich immer häufiger auf dem Planeten bemerkbar: Die Atmosphäre und die Ozeane erwärmen sich, Wälder stehen in Flammen, die Menge von Schnee, Gletschern und Eis sowie die damit bedeckte Fläche gehen zurück, die Meeresspiegel steigen, Wettermuster ändern sich.

Die Reisebranche wird Veränderungen in bis dato nicht bekanntem Tempo und Umfang zu verkraften haben

Die vom IPCC verwendeten Computermodelle für das Klima ergeben, dass die Klimaveränderungen im Laufe des 21. Jahrhunderts fortschreiten werden. Nehmen die Emissionen weiterhin so stark zu wie bisher, dann ist bis Ende des Jahrhunderts u.a. mit einem Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur um 2,6 bis 4,8 °C und der Meeresspiegel um 0,45 bis 0,82 Meter zu rechnen (verglichen mit dem heutigen Niveau), Wetterextreme wie Dürren oder Hitzewellen werden häufiger, so wie wir das bereits erleben.

Selbst wenn der Ausstoß von Treibhausgasen von einem Tag auf den anderen gestoppt würde, blieben die Temperaturen auf der Erde noch über Jahrhunderte erhöht.

Sachstandsbericht Intergovernmental Panel on Climate Change

Denn die bereits durch menschliche Aktivitäten freigesetzten Treibhausgase befinden sich weiterhin in der Atmosphäre und entfalten dort ihre Wirkung. CO2 kann über 1000 Jahre in der Atmosphäre stabil bleiben. Die Begrenzung eines weiteren Temperaturanstiegs erfordert daher eine deutliche und dauerhafte Verringerung der Treibhausgasemissionen.

Die Tourismusbranche gehört zu den größten Wirtschaftssektoren der Welt: Auf sie entfallen rund zehn Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Sie erzielt mehr als sechs Billionen US-Dollar Umsatz pro Jahr und bietet mehr als 255 Millionen Menschen eine Existenzgrundlage. Für einige der weltweit ärmsten Länder ist der Tourismus besonders wichtig, vor allem für manche kleine Inselstaaten.

Die Branche ist mit schwerwiegenden Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert, die sich bereits heute bemerkbar machen.

Mit dem Temperaturanstieg werden viele Reiseziele an Attraktivität verlieren. An manchen Orten wird es schwieriger, Wintersport zu treiben. Der Küstentourismus ist extrem verwundbar durch den Anstieg der Meeresspiegel. Natürliche Anziehungspunkte, für die Millionen von Touristen teils weite Reisen unternehmen – Korallenriffe, Wälder und tierreiche Savannen –, werden geschädigt oder zerstört werden. Allein die Feuer in Australien haben fast 30 Menschen und mehr als eine Milliarde Tiere das Leben gekostet und vernichteten mehr als 600.000 Hektar Wald und Steppe. 

Daneben sieht sich die Branche allgemeineren Auswirkungen gegenüber: beispielsweise teureren Versicherungen (aufgrund extremeren Wetters), Wassermangel, geringerer Ernährungssicherheit sowie vermehrten Konflikten an manchen Destinationen.

In begrenztem Umfang wird der Klimawandel auch positive Auswirkungen haben.

Die Temperaturveränderungen werden neue Regionen für manche Touristen attraktiver machen, und es werden sich Chancen auftun für neue Arten des Tourismus. Zudem gibt es Möglichkeiten, sich dem veränderten Klima anzupassen. Doch die neuen Geschäftsgelegenheiten werden wahrscheinlich kurzlebig sein, und die Möglichkeiten zur Klimaanpassung sind begrenzt. Mehr noch, viele potenzielle Anpassungsmaßnahmen dürften später in diesem Jahrhundert vom Klimawandel ”überholt“ werden – insbesondere bei hohen Treibhausgasemissionen.

(Politische) Maßnahmen zur Minderung des Treibhausgasausstoßes werden die Tourismuswirtschaft direkt betreffen – erst recht angesichts des starken Wachstums ihrer Emissionen. 95 Prozent der Emissionen sind auf Verkehr und Gebäude zurückzuführen. Daher sind diese zwei Bereiche maßgeblich für das Klimaschutzpotenzial der Branche.

Mehr und vor allem detailliertere Informationen dazu gibt es hier.