Harald Zeiss USA Institut für nachhaltigen Tourismus Entwicklung Redner

Trump Effekt belastet den US-Tourismus

Ambivalente Wahrnehmung bei internationalen Reisenden

Wie das Nachrichtenportal ORF.at berichtet, hat das Jahr 2025 deutliche Spuren im internationalen Tourismus der USA hinterlassen. Politische Umbrüche und eine erneut verschärfte Einreisepolitik unter Präsident Donald Trump führten zu einem spürbaren Rückgang internationaler Gäste. Besonders betroffen waren zentrale Quellmärkte wie Kanada, Mexiko und mehrere europäische Länder.

Nach Angaben der U.S. Travel Association sank die Zahl der internationalen Besucherinnen und Besucher von 72,4 Millionen im Jahr 2024 auf rund 68 Millionen im Jahr 2025. Gleichzeitig gingen die Einnahmen aus dem internationalen Reiseverkehr um mehr als drei Prozent zurück. Damit stehen nicht nur Milliardenerlöse auf dem Spiel, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze in der US Reisewirtschaft.

Der Tourismusforscher Harald Zeiss vom Institut für nachhaltigen Tourismus ordnet diese Entwicklung differenziert ein. Gegenüber ORF.at spricht er von einer gewissen Ambivalenz. Einerseits verunsichern restriktive Einreisebestimmungen, mediale Berichte über problematische Grenzerfahrungen und politische Signale aus Washington viele Reisende. Andererseits bleiben die USA für viele Menschen ein attraktives Sehnsuchtsziel mit hoher symbolischer Strahlkraft.

Kanadischer Markt besonders betroffen

Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang im kanadischen Markt. Politische Spannungen, wiederholte verbale Provokationen durch den US Präsidenten und protektionistische Töne haben in Kanada einen starken patriotischen Effekt ausgelöst. Viele Kanadierinnen und Kanadier entschieden sich bewusst für Urlaube im eigenen Land. Gleichzeitig entdeckten europäische Reisende Kanada zunehmend als aus ihrer Sicht politisch und gesellschaftlich attraktiveres Nordamerika.

Einen dauerhaften Einbruch aus Kanada erwartet Zeiss dennoch nicht. Die räumliche Nähe, die enge wirtschaftliche Verflechtung sowie die Bedeutung von Autoreisen und Kurztrips sprechen für eine zyklische Stabilisierung. Entscheidend seien mittelfristig vor allem der Wechselkurs, die wirtschaftliche Lage in Kanada und die Frage, ob Grenzabfertigungen dauerhaft als abschreckend wahrgenommen werden.

Europa ist ein wertvoller Quellmarkt für die USA

Auch für Europa bleibt die politische Wahrnehmung ein zentraler Faktor. Europäische Gäste zählen zwar nicht zu den volumenstärksten, aber zu den wirtschaftlich wertvollsten Quellmärkten der USA. Sie reisen länger, besuchen mehrere Regionen und geben pro Aufenthalt deutlich mehr aus. Laut Zeiss reagieren europäische Reisende sensibler auf politische Signale, Sicherheitsfragen und wertebezogene Themen als Gäste aus Nachbarländern.

Daraus ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Ein Teil der Reisenden nimmt die politische Lage zur Kenntnis, gewichtet sie jedoch nicht höher als Preis, persönliche Bindungen oder die Attraktivität des Reiseziels. Ein anderer Teil reduziert Reisen in die USA bewusst oder meidet sie ganz aus politischen oder normativen Gründen. Fälle von Zurückweisungen oder intensiven Befragungen trotz gültiger Einreisegenehmigung hätten insbesondere zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit für Verunsicherung gesorgt. Inzwischen sei ein Gewöhnungseffekt eingetreten, allerdings ohne vollständiges Verschwinden der Irritation. Zeiss spricht von einer Normalisierung.

USA für Erstreisende aktuell uninteressant

Auffällig ist zudem eine Veränderung im Profil der USA Reisenden. Erstbesucher, Familien mit Kindern, Alleinreisende und politisch sensible Zielgruppen weichen zunehmend auf Alternativdestinationen aus, bei denen das Einreiseverfahren als weniger risikobehaftet gilt. Routiniers und erfahrene USA Reisende zeigen sich hingegen deutlich standhafter, insbesondere bei Reisen in den Westen oder in naturnahe Regionen. Dies bestätigt auch die Einschätzung von Reiseveranstaltern, die vor allem in klassischen Einstiegsdestinationen wie New York, Florida oder Washington Rückgänge beobachten.

Für das Jahr 2026 zeichnen sich dennoch deutlich bessere Perspektiven ab. Große Anlässe wie das Jubiläum America250, der 100. Geburtstag der Route 66 sowie die gemeinsam mit Kanada und Mexiko ausgerichtete Fußball Weltmeisterschaft dürften die Nachfrage spürbar beleben. Harald Zeiss bewertet diese Ereignisse als klassische Impulse, um touristische Nachfrage zu bündeln und das Image der USA positiv aufzuladen. Gleichzeitig betont er, dass strukturelle Herausforderungen wie ein angespanntes Sicherheitsklima oder politisch bedingte Vorbehalte dadurch nicht vollständig überdeckt werden können.

Zusätzliche Irritationen könnten neue Vorgaben der US Grenzschutzbehörde auslösen. Künftig sollen Reisende aus dem Visa Waiver Program bei der Einreise umfangreiche persönliche Daten offenlegen, darunter Social Media Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre sowie detaillierte Kontaktinformationen. Aus Sicht des Instituts für nachhaltigen Tourismus unterstreicht diese Entwicklung, wie stark politische Rahmenbedingungen, Wahrnehmung von Sicherheit und Reisefreiheit heute mit touristischen Entscheidungen verflochten sind.

Quelle: ORF.at