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VonHarald Zeiss

Corona – eine Chance für mehr Nachhaltigkeit?

Das Corona-Virus hat die ganze Welt im Griff und kaum ein Tag vergeht, an dem es keine schlechten Nachrichten aus der Tourismusbranche gibt. Länder verbieten – zu recht – das Reisen und somit bleiben den Hoteliers und Gaststätten, Ausflugsanbietern und Kreuzfahrtschiffen die Urlauber aus. Auch der Geschäftsreisemarkt ist fast vollständig zum Erliegen gekommen, genauso wie der internationale Flugverkehr.

Dabei liebt die Normalität nur einige Wochen zurück und bereits jetzt stellen sich einige bang die Frage, was vom Tourismus nach der Krise übrig bleibt, wenn viele Reiseveranstalter, Reisebüros und Leistungsträger Insolvenz anmelden müssen. Oder wenn die Urlauber aufgrund von Gehaltskürzung durch Kurzarbeit und Selbstständige ohne Einkommen bei den Reisebuchungen künftig weniger Geld für Urlaub in der Tasche haben.

Da bleibt wenig Hoffnung auf positive Nachrichten und Effekte, die aus der Corona-Krise folgen könnten. Aber es gibt tatsächlich schon einige Stimmen, die laut überlegen, ob der Tourismus nicht aus der Krise lernen könnte und sich eine stärkere Widerstandskraft gegen derartige Ereignisse antrainieren könnte. Vor allem die geringe Liquidität und die prekären Arbeitsbedingungen spielen bei diesen Überlegungen eine Rolle, aber auch die Globalisierung des Flugverkehrs, der nur der Spiegel unserer schneller-höher-weiter-Gesellschaft ist.

Könnte die Corona-Epidemie am Ende auch zu einem nachhaltigeren Tourismus führen?

Was wären die Weichen, die gestellt werden müssten, um der Welt dauerhaft eine Verschnaufpause zu gönnen? Die Delfine, die es wieder in der Bucht von Venedig gibt, sind nur ein Beispiel der positiven Nachrichten aus der Presse. Aber sie sind vielleicht auch ein guter Indikator für die Zukunft, dass wir stärker auf die Notwendigkeit eines sanfteren Tourismus achten.

Im Geschäftsreisemarkt werden heute schon die größten Veränderungen erwartet. Sehr viele Arbeitnehmer sind aufgrund von Homeoffice-Vorgaben zu Videokonferenz-Spezialisten geworden. Diese Fertigkeiten werden nach Wochen der Praxis so schnell nicht wieder abgelegt und künftig auf eine größere Bereitschaft der Nutzung stoßen. Hier ist auch der Hebel am größten, denn schneller und umweltfreundlicher geht es anderswo nicht.

Ob sich die erholungsuchenden Urlauber künftig an den Computer setzen um den Strand zu genießen, darf gerne bezweifelt werden. Was man jedoch erwarten kann ist, dass Menschen größere Gruppen instinktiv vermeiden werden – zumindest so lange es keine funktionierende Impfung gibt. Das wäre fatal für den Massentourismus, der sich genau über dieses Kriterium definiert. Gewinner werden kleine Hotels und Gaststätten sein, die den Wunsch nach Individualität und Abgrenzung am besten umsetzen können. Auch die Kreuzfahrt wird mit massive Anfangsschwierigkeiten rechnen müssen, bis das Virus vollständig unter Kontrolle ist.

Was bleibt am Ende? Sicherlich eine deutliche Verbreitung von Hygienevorschriften und Desinfektionsspendern in öffentlichen Bereichen. Vielleicht werden wir an Flughäfen ein Temperaturmessgerät genau so sehen wie den Ganzkörperscanner, an den sich die Flugreisenden seit 9/11 gewöhnt haben. Dass wir Flüssigkeiten nicht mehr ins Flugzeug nehmen dürfen, ist hinlänglich bekannt. Dass wir künftig im Flugzeug Masken tragen vielleicht noch Utopie, aber vermutlich schneller unser Alltag als vielen heute bewußt ist.

Auf jeden Fall werden wir mit der nächsten Pandemie schneller und professioneller umgehen, nachdem weltweit gelernt und verstanden wurde, auf was es ankommt.

Im Zweifel steht die Gesundheit der Menschen immer über der Gesundheit der Wirtschaft.

Und die Wirtschaft ist gut beraten, sich darauf einzustellen, und die eigene Widerstandskraft für die Zukunft auszubauen. Wer allerdings die Krise übersteht, der wird wachsen können, auch weil der ein oder andere Mitbewerber nicht mehr am Markt sein wird.

VonHarald Zeiss

Der Klimawandel: Hase und Igel Wettrennen für den Luftverkehr

Der menschengemachte Klimawandel stellt eine ernsthafte Bedrohung unserer Zukunft dar. In den letzten Monaten scheint einige Bewegung in die Branche gekommen zu sein, um Antworten auf die drängende Frage zu bekommen, wie wir unsere Mobilität im Tourismussektor ändern müssen. Dabei gerät der Luftverkehr in einen besonderen Fokus, denn er hat gleich mehrere Probleme, die es zu lösen gilt:

  • Der Luftverkehr wächst sehr viel stärker als die meisten anderen Verkehrsträger. 
  • Der Luftverkehr führt zu deutlich höheren Klimabelastungen als alle anderen Verkehrsträger.
  • Der Luftverkehr kann noch keine technische Lösung präsentieren, wie eine klimaneutrale Fortbewegung möglich ist. 

Zwar hat die ICAO mit dem CORSIA-Modell den Versuch unternommen, eine internationale Regelung zu finden, wie die Luftverkehrswirtschaft schonend auf diese Herausforderungen vorbereitet werden könnte, aber das CORSIA-Modell hat einige deutliche Schwachstellen:

  • Die nationale Luftfahrt ist überhaupt nicht reguliert, spielt aber in Flächenstaaten wie den USA, Kanada, Russland und China eine große Rolle hinsichtlich der Klimaemissionen.
  • Klimaeffekte, die durch den Ausstoss von Klimagasen in Höhen um 10.000 Meter entstehen, sind nicht berücksichtigt, obwohl deren Wirkung das zwei- bis dreifache der bodennahen Emissionen bedeutet.
  • Die Teilnahme ist weitgehend freiwillig und wirtschaftsschwache Länder sind von CORSIA befreit.
  • Es werden nur zusätzliche Emissionen berücksichtigt. Der heute bereits bestehende Sockel an Emissionen bleibt unverändert hoch.
  • Technologisch gibt es kaum Lösungen, schon gar nicht, um alle Emissionen zu vermeiden. Daher setzt CORSIA auf Kompensationsprojekte, bei denen aber auch Waldschutzprojekte (REED) berücksichtigt werden, die sehr stark in der Kritik stehen.

Am Ende bleibt der Luftverkehrswirtschaft nur die Hoffnung, dass kleine technische Verbesserungen zumindest einen Teil der Klimabelastung auffangen können. So hat die Einführung von Winglets und Sharklets den Treibstoffverbrauch um 3-4 % reduzieren können. Neue Werkstoffe, leichtere Bauteile und sogar Lackierungen, wie bspw. von TIB Chemicals, helfen Treibstoff zu sparen. Und vor allem effizientere Motoren senken den Kerosinverbrauch pro Gast und Kilometer deutlich. 

Aber das Wachstum der Reisenden führt letztendlich dazu, dass diese relativen Verbesserungen durch den absoluten Mehrverbrauch an Kerosin deutlich übertroffen werden. Die Luftfahrtbranche hat also noch sehr viele Herausforderungen, deren Lösung den Fortbestand der gesamten Industrie betreffen wird.   

VonHarald Zeiss

MDR fragt: Wie reist man klimafreundlich?

Prof. Zeiss beantwortet Fragen zu nachhaltigem Urlaub. Bei den aktuellen hochsommerlichen Temperaturen erscheint ein Urlaub im Süden immer weniger attraktiv. Aber auch aus Klimaschutzgründen überlegen sich immer mehr Urlauber, ob sie überhaupt mit dem Flugzeug verreisen sollten. Mehr dazu im Video hier.

VonHarald Zeiss

Prof. Zeiss bei Tagesthemen zum “Greta-Effekt”

Die Tagesthemen berichten über zunehmende Sensibilisierung bei Urlaubern zu Flugreisen. Prof. Dr. Harald Zeiss erklärt, ob ein Greta-Effekt zu erkennen ist.